Open-Source-KI bezeichnet KI-Modelle oder KI-Systeme mit einer freien und offenen Lizenz, die Nutzung, Anpassung und Weitergabe erlaubt. Für Unternehmen ist der Begriff seit dem 2. Februar 2025 auch rechtlich relevant, weil Art. 2 Abs. 12 der EU-VO 2024/1689 nur unter engen Voraussetzungen eine Ausnahme für frei lizenzierte KI-Systeme vorsieht.
Was Open-Source-KI konkret bedeutet
Open Source ist bei KI mehr als ein Download-Link zu Modellgewichten. Entscheidend ist, ob Lizenz, Zugriff und Weitergabe tatsächlich offen sind und nicht nur technisch möglich wirken. Für die Abgrenzung helfen auch Open-Weight vs. Open Source, Modellgewichtungen und GPAI / KI-Basismodelle.
| Ebene | Frage | Praktische Bedeutung |
|---|---|---|
| Lizenz | Dürfen Sie nutzen, ändern und weitergeben? | Ohne freie Lizenz ist das Modell nicht wirklich Open Source. |
| Gewichte | Sind die trainierten Parameter zugänglich? | Ohne Gewichte ist Self-Hosting kaum realistisch. |
| Code | Ist Inferenz- oder Trainingscode offen dokumentiert? | Offener Code erleichtert Prüfung und Integration. |
| Dokumentation | Gibt es klare Hinweise zu Risiken und Grenzen? | Ohne Dokumentation steigt das Betriebsrisiko. |
- Open Source ist ein Lizenzbegriff und kein Qualitätsversprechen.
- Offene Gewichte allein reichen nicht für eine belastbare Open-Source-Einordnung.
- Für Compliance zählt der konkrete Einsatz, nicht nur die Marketing-Bezeichnung.
Was der EU AI Act dazu sagt
Der EU AI Act nimmt Open-Source-KI nicht pauschal aus. Art. 2 Abs. 12 nennt nur KI-Systeme unter freier und offener Lizenz, sofern sie nicht als Hochrisiko-System, als System nach Art. 5 oder als System nach Art. 50 eingesetzt werden. Genau deshalb sollten Sie Hochrisiko-KI-Systeme und Transparenzpflichten immer mitprüfen.
- Die Ausnahme betrifft den konkreten Einsatz eines KI-Systems.
- Die Ausnahme endet, wenn ein regulierter Anwendungsfall vorliegt.
- Art. 4 zur KI-Kompetenz gilt unabhängig von der Lizenz weiter.
| Fall | Ergebnis |
|---|---|
| Internes Assistenzsystem mit freier Lizenz und ohne Hochrisiko-Zweck | Ausnahme kann greifen |
| Bewerber-Screening mit offenem Modell | Ausnahme greift regelmäßig nicht |
| Biometrische oder verbotene Nutzung | Ausnahme greift nicht |
Was Unternehmen praktisch prüfen sollten
Unternehmen sollten Open-Source-KI zuerst als Governance-Thema behandeln. Entscheidend sind Lizenzprüfung, Einsatzklassifizierung und Betriebsmodell, nicht nur Modellqualität oder Preis. Für die Umsetzung sind Self-Hosting-KI, KI-Inference und ein dokumentierter Schulungsnachweis die wichtigsten Anschlussbegriffe.
- Prüfen Sie die Lizenz vor Beschaffung oder Pilotierung.
- Trennen Sie Modell, Anwendung und Einsatzkontext organisatorisch.
- Dokumentieren Sie, ob Sie nur Betreiber bleiben oder das System wesentlich verändern.
Open-Source-KI kann Nachvollziehbarkeit und technische Souveränität verbessern. Rechtskonform wird der Einsatz aber erst, wenn Sie Rollen, Risiken und Pflichten entlang des konkreten Use Cases sauber dokumentieren.